Selbstwirksamkeit stärken durch Job Crafting

🗄️ Impact | ⏱️ 10 Minuten | ✒️ Uta Menges

Inhalt
• Was bedeutet Selbstwirksamkeit?
• Die psychologischen Grundlagen der Selbstwirksamkeit
• Die vier Quellen von Selbstwirksamkeit
• Wie Selbstwirksamkeit entsteht und sich entwickelt
• Selbstwirksamkeit im Kontext von Job Crafting

 

Was bedeutet Selbstwirksamkeit?

Der Begriff Selbstwirksamkeit wurde vom Psychologen Albert Bandura geprägt [1]. Er beschreibt damit die Überzeugung eines Menschen, auch herausfordernde Situationen aus eigener Kraft bewältigen und durch das eigene Handeln wirksam Einfluss nehmen zu können.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um objektive Fähigkeiten oder messbare Leistung. Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die subjektive Einschätzung: Traue ich mir zu, mein Wissen, meine Kompetenzen und meine Erfahrungen in einer konkreten Situation wirksam einzusetzen?

Eine kurzgefasste Definition könnte also wie folgt lauten:

Selbstwirksamkeit beschreibt die optimistische Überzeugung einer Person, aufgrund eigenen Könnens eine Aufgabe erfolgreich ausführen zu können.

Vereinfacht gesagt beantwortet Selbstwirksamkeit die innere Frage, ob man sich einer Herausforderung gewachsen fühlt. Diese persönliche Einstellung hat großen Einfluss darauf, ob Menschen aktiv werden, dranbleiben oder sich zurückziehen.


Die psychologischen Grundlagen der Selbstwirksamkeit

Albert Bandura entwickelte seine Selbstwirksamkeitstheorie im Rahmen der sozial-kognitiven Lerntheorie. Sie geht davon aus, dass menschliches Verhalten nicht allein durch äußere Bedingungen oder innere Eigenschaften bestimmt wird, sondern durch das Zusammenspiel von Denken, Fühlen, Handeln und Umwelt.

Zentral ist dabei die Annahme, dass Menschen ihr Verhalten aktiv steuern. Selbstwirksamkeit erhält sich in diesem Prozess wie ein innerer Filter. Sie beeinflusst, welche Ziele sich Menschen setzen, wie viel Anstrengung sie investieren und wie sie mit Rückschlägen umgehen.

Im beruflichen Alltag zeigt sich das sehr deutlich. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit erleben Anforderungen häufiger als gestaltbar. Sie zeigen eine höhere Einsatzbereitschaft und sind eher bereit Neues auszuprobieren. Bei Unsicherheit bleiben solche Menschen handlungsfähig und geben bei Schwierigkeiten weniger schnell auf. Die genannten Aspekte haben außerdem einen positiven Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden.

Geringe Selbstwirksamkeit hingegen geht oft mit Vermeidung von Herausforderungen, Selbstzweifeln und schneller Überforderung einher – unabhängig von der tatsächlichen Qualifikation. Das belastet und demotiviert.


Die vier Quellen von Selbstwirksamkeit

Bandura beschreibt vier zentrale Quellen, aus denen sich Selbstwirksamkeit entwickelt [2]. Diese helfen zu verstehen, warum sich Selbstwirksamkeit in bestimmten Situationen stärkt oder abschwächt.

  1. Die wichtigste Quelle sind eigene Erfolgserfahrungen. Wenn Menschen erleben, dass ihr Handeln Wirkung zeigt, wächst das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, auch zukünftige Herausforderungen zu bewältigen. Entscheidend ist dabei nicht die Größe des Erfolgs, sondern die persönliche Erfahrung, etwas selbst beeinflusst zu haben.

  2. Eine weitere Quelle sind sogenannte stellvertretende Erfahrungen. Das Beobachten anderer Menschen, insbesondere solcher, mit denen man sich identifizieren kann, kann die eigene Selbstwirksamkeit stärken. Vorbilder können also einen positiven Effekt auf die Selbstwirksamkeit haben. Die innere Botschaft lautet dann: Wenn das für diese Person möglich ist, könnte es auch für mich möglich sein.

  3. Auch verbale Ermutigung spielt eine Rolle. Glaubwürdiges, konkretes Feedback kann dazu beitragen, die eigene Kompetenz realistischer einzuschätzen. Besonders wirksam ist Feedback dann, wenn es sich auf beobachtbares Verhalten bezieht und nicht pauschal bleibt.

  4. Schließlich beeinflussen emotionale und körperliche Zustände die Selbstwirksamkeit. Stress, Erschöpfung oder Angst können dazu führen, dass Menschen sich weniger zutrauen. Umgekehrt fördern innere Ruhe, Klarheit und ein gutes Körpergefühl das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.


Wie Selbstwirksamkeit entsteht und sich entwickelt

Selbstwirksamkeit ist keine feste Eigenschaft, sondern ein dynamisches Konstrukt. Sie entsteht durch Erfahrungen und verändert sich im Laufe des Lebens. Entscheidend ist, dass Selbstwirksamkeit nicht durch reines Nachdenken wächst, sondern durch erlebte Handlung.

Menschen entwickeln Selbstwirksamkeit, indem sie sich Handlungsspielräume erschließen, Entscheidungen treffen und deren Wirkung reflektieren. Auch der konstruktive Umgang mit Rückschlägen spielt dabei eine wichtige Rolle. Misserfolge schwächen Selbstwirksamkeit nicht automatisch. Sie tun es vor allem dann, wenn sie als persönliches Versagen interpretiert werden. Niederlagen stattdessen als Lernchance zu begreifen, macht Mut, es nochmal zu probieren.

Im beruflichen Kontext bedeutet das: Selbstwirksamkeit wächst, wenn Menschen ihren Einflussbereich wahrnehmen und nutzen – auch dann, wenn die Rahmenbedingungen nicht perfekt sind.


Selbstwirksamkeit im Kontext von Job Crafting

Dekoration - mehrere Bälle

Job Crafting bietet einen besonders wirksamen Rahmen zur Entwicklung von Selbstwirksamkeit. Durch das aktive Gestalten von Aufgaben, Beziehungen und weiteren Bereichen im Arbeitsalltag erleben Menschen sich nicht nur als Ausführende, sondern als Gestaltende ihres Arbeitsalltags.

Diese Erfahrungen verstärken sich gegenseitig. Wer seinen Job aktiv anpasst, sammelt Wirksamkeitserlebnisse. Diese stärken wiederum das Vertrauen, auch künftig Einfluss nehmen zu können. Selbstwirksamkeit wird so zu einem zentralen Wirkmechanismus im Job Crafting Prozess und beeinflusst Motivation, Belastbarkeit, Lernbereitschaft und Zufriedenheit im Job maßgeblich.

So können aktive Job Crafter ihr Selbstwirksamkeitsempfinden erhöhen, indem sie durch ihr Handeln positive Erfahrungen sammeln und ihre innere Einstellung zum eigenen Job verbessern. Führungskräfte können durch positives Feedback das Selbstwirksamkeitserleben ihrer Mitarbeitenden fördern und durch eine von psychologischer Sicherheit geprägte Arbeitsumgebung Ängste verringern und Vertrauen stärken.

So entsteht ein iterativer Ablauf, indem sich die tatsächliche Wirksamkeit und die Selbstwirksamkeit gegenseitig positiv beeinflussen und ganzheitlich verbessern.

 

Referenzen:
[1] Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review.
[2] Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman.

 

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